Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e.V.
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Bericht zum Nachwuchsseminar der DWhG vom 17. bis 19. März 2017 in Trier

von Florian Fichtner

Gruppenfoto vor der Basilika und dem Residenzschloss (© S. Preißler)

Für das 6. Nachwuchsseminar der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft folgten 14 Interessierte der freundlichen Einladung von Herrn Prof. Dr. Torsten Mattern in die Räume des Archäologischen Instituts der Universität Trier. Die Organisation des Seminars oblag vor allem unserem Mitglied Florian Tanz M.A, Promotionsstudent am Lehrstuhl für klassische Archäologie der Universität Trier. Auf dem Seminar stellten Mitglieder und Gäste der DWhG ihre aktuellen Arbeiten zur Geschichte der Wasserwirtschaft vor.

 

Zu Beginn begrüßten Prof. Dr. Mattern und der Vorsitzende der DWhG Wolfram Such die Teilnehmenden. In seiner Begrüßung stellte Prof. Dr. Mattern kurz seine eigenen Arbeitsschwerpunkte vor und würdigte die fachliche Breite der Seminarbeiträge. Herr Such bedankte sich in seinem Grußwort für die Gastfreundschaft und überreichte aktuelle Veröffentlichungen der DWhG als Gastgeschenke. Direkt im Anschluss an die Grußworte übergab Prof. Dr. Mattern den Teilnehmenden die Räumlichkeiten des Archäologischen Instituts zur Nutzung für das Nachwuchsseminar.

Der Komplette Bericht zum DWhG Nachwuchsseminar 2017 inkl. Bilder zum Download.
DWhG_Bericht zum Nachwuchsseminar Trier_[...]
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26. DWhG-Fachtagung in Waren (Müritz/Mecklenburg-Vorpommern)

Siehe auch die Bildergalerie Impression von der Tagung in Waren 2015

Vom 18. bis 21. Juni 2015 hat die DWhG ihr Mitglieder und weitere Interessenten zu ihrer 26. Fachtagung über die Entwicklung der Wasserwirtschaft, Wasserstraßen, des Küsten- und Naturschutzes in Mecklenburg-Vorpommern in die Europäische Akademie in Waren (Müritz) eingeladen. An der Erörterung des breiten Themenspektrums waren als weitere Kooperationspartner das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, das Nationalparkamt Müritz und der Arbeitskreis Wasserwirtschaft am Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. (IUGR) an der Hochschule Neubrandenburg beteiligt.

Blick auf Waren an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern

Zum Auftakt der Tagung gaben drei Referenten Einblicke in die faszinierende Natur- und Erholungslandschaft, den Müritz-Nationalpark und seine Naturschutzgeschichte. Am Hauptvortragstag waren die Ausführungen im ersten Teil zunächst der Umgebung der Tagungsstätte und sodann der Wasserwirtschaft sowie der Umsetzung der entsprechenden Europäischen Richtlinien in Mecklenburg-Vorpommern gewidmet. Im zweiten Teil wurden aus Sicht von Zeitzeugen die Geschichte der Trinkwasserversorgung in der DDR und die spezifische Entwicklung der ländlichen Wasserversorgung in Mecklenburg-Vorpommern bis heute geschildert. Die folgenden Vorträge befassten sich mit den speziellen Arbeitsgebieten der Mitglieder des Arbeitskreises Wasserwirtschaft, der Geschichte des Küstenschutzes, der landwirtschaftlichen Bewässerung und des Meliorationswesens in der DDR, jeweils mit den Schwerpunkten in Mecklenburg-Vorpommern.

Der letzte Vortrag von DWhG-Mitglied Hans-Joachim Uhlemann war den Binnenwasserstraßen in Mecklenburg-Vorpommern gewidmet.

 

Die Exkursion am Samstag begann mit der Vorstellung der geothermischen Nutzung zur Wärmeversorgung in Waren. Es schlossen sich Besichtigungen der rekonstruierten Schleusenanlage Plau und der Drehbrücke in Malchow im Zuge der Müritz-Elde-Wasserstraße, der Besuch einer ländlichen Kleinwasserversorgungsanlage sowie eines Projektes zur Wiedervernässung eines Moorgebietes an.

 

Die Vorträge der Tagung und der Exkursionsbericht werden in einem der nächsten Bände der DWhG-Schriftenreihe veröffentlicht.

 

W. Such

Bilder von der Tagung finden Sie in unserer Bildergalerie Waren 2015

Tag des Wassers 2015 in Tambach-Dietharz

Der zur gegenseitigen Unterstützung gegründete und mit der DWhG eng zusammenarbeitende Verein zur Förderung des Archivs zur Geschichte der deutschen Wasserwirtschaft e.V. (FöV AGWA) hatte am 20. März 2015 nunmehr bereits zum sechsten Mal zu einem aus Anlass des Welttages des Wassers organisierten wasserhistorischen Vortrag in die „Talsperrenstadt“ Tambach-Dietharz, den Ort seiner Gründung im Jahr 2008 und Sitz des Thüringer Talsperren- und Gewässerkundlichen Archivs mit dem eingegliederten privaten wasserhistorischen Archivteil, eingeladen.

 

Im gut gesetzten Vortragssaal des Bürgerhauses berichtete Dr. Jens U. Schmidt aus dem brandenburgischen Fürstenwalde/Spree über „Wasserspeicher und Wassertürme von der Antike bis heute“. Der Referent spannte einen weiten Bogen von den Bauwerken zur Wasserverteilung und den Zisternen zur Wasserspeicherung für Burgen und Siedlungen in der Antike über die Schachtbrunnen und Wasserkünste des Mittelalters bis zu der mit Einführung der zentralen Wasserversorgung, der Industrialisierung  und dem Bau von Eisenbahnen in Mitteleuropa explosionsartig wachsenden Zahl von Wassertürmen in außerordentlicher Vielfalt an Formen, bei der Gestaltung, verschiedenen  Werkstoffen und Ausstattung. Der Referent konnte dabei auf den aus Vor- und Nachlässen gespeisten Fundus an Beispielen aus seinem privaten Archiv deutscher Wassertürme zurückgreifen.

 

Dr. Schmidt ist Allein- und Mitverfasser einer Reihe von reich bebilderten Büchern über Wassertürme in verschiedenen Regionen Deutschlands, wie Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Hamburg, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, die seit etwa 2003 im Regia- und Isensee-Verlag erschienen sind, über den Buchhandel oder per E-Mail: kontakt@wassertuerme.com, bezogen werden können.

 

Der Referent wirkt auch in der Deutsch Internationalen Gesellschaft 2002 e.V., Hellweg 212, 46284 Dorsten, Tel.: 02362/776000, Internet: http://www.wasserturm-gesellschaft.de, mit, die eine Zeitschrift „Der Wasserturm“ (ISSN 1866-9751) herausgibt.

Bild 1: Gedenkstein im Tal unterhalb vom Fuß der Staumauer an den Planer und Erbauer der Tambacher Talsperre, Hugo Mairich, der noch vor ihrer Inbetriebnahme im Alter von 39 Jahren Opfer eines tragischen Verkehrsunfalls geworden ist.

Am 21. März 2015 führte ebenfalls im Rahmen des Welttages des Wassers Betriebsleiter Linz vom fördernden DWhG-Mitglied Thüringer Fernwasserversorgung (TFW), Sitz Erfurt, durch die der Trinkwassergewinnung dienende Tambacher Talsperre. Das Bauwerk ist in den Jahren 1902-05 von Stadtbaumeister Hugo Mairich unter Beratung von Professor Otto Intze, Aachen, zur Trinkwasserversorgung von Gotha als Bruchsteinmauer mit einem Stauinhalt von rund 800.000 m³ geplant und errichtet worden (Bild 1). Nach umfassender Rekonstruktion des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerkes und der rohr-, maschinen- und messtechnischen Anlagen sowie Ergänzung durch ein Laufwasserkraftwerk ist die Talsperre heute in das Versorgungssystem der Thüringer Fernwasserversorgung einbezogen (Bild 2). Die Unterlagen über die Tambacher Talsperre und die übrigen rund 70 Wasserspeicheranlagen im Freistaat Thüringen befinden sich im Talsperren- und Gewässerkundlichen Archiv unterhalb vom Staubauwerk der benachbarten Talsperre Schmalwasser, wozu auch der von DWhG un Föv AGWA eingebrachte private Archivteil gehört. Hier stehen Interessenten u.a. auch die in den letzten Jahren erschienenen Dokumentationen über

-     Naturschätze in Thüringen, herausgegeben von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt Jena mit Unterstützung durch das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt,

-     Die Gewässer Thüringens, herausgegeben von Martin Görner im Auftrag der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen eV., Jena, 2011, mit einem Überblick über die Hydrogeographie Thüringens von DWhG-Mitglied Prof. Dr. habil Ludwig Bauer, Halle, sowie

-     das soeben veröffentlichte Werk „Thüringen –Wald und Wild, Gewässer und Fische, Landschaften und Arten“, herausgegeben von Martin Görner im Auftrag des Landesjagdverbandes Thüringen e.V., des Verbandes für Angeln und Naturschutz Thüringen e.V. und der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V., mit einem Beitrag von DWhG-Mitglied Prof. Dr. habil Ludwig Bauer, Halle, über „Thüringens Gewässer und ihre Fluss- und Tallandschaften“

zur Verfügung.

Bild 2: Ansicht von der Luftseite der unter Denkmalschutz stehenden Tambacher Talsperre

Weiterentwicklung des Wasserarchivs

Mitglieder der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft e.V. (DWhG) und des Fördervereins für das Archiv zur Geschichte der deutschen Wasserwirtschaft e.V. haben den Aufenthalt in Tambach-Dietharz zur Teilnahme an der Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung des FöV AGWA sowie an den Veranstaltungen zum Welttag des Wassers für die weitere Eingliederung der im Wasserarchiv eingelagerten Bestände genutzt. Dort kann inzwischen bereits auf etwa 40 % der über 7.500 erfassten wasserhistorischen Bücher und Veröffentlichungen unmittelbar zurückgegriffen werden. Gleichzeitig wird die Veröffentlichung des Gesamtbestandes in einer Literatur-Datenbank auf der Homepage des Föv AGWA im Internet vorbereitet.

Ein kurzer Bericht über das “Symposium Aquae. Spa cities in the Roman Empire, in Chaves/Portugal, 16.-18. Okt. 2014

Neues von den römischen Thermalbädern

Im letzten Oktober fand in Chaves, Portugal eine interessante Tagung zu antiken römischen Thermalbädern statt: “SYMPOSIUM AQUAE: SPA CITIES IN THE ROMAN EMPIRE - CIDADES TERMAIS NO IMPÉRIO ROMANO. In memoriam Helena Frade, Chaves/Portugal, October 16-18, 2014”.

Die offizielle Kongressankündigung

Der Anlass für die Tagung waren die weitgehend abgeschlossenen Ausgrabungen eines römischen Thermalbades in Chaves. Chaves, das antike Aquae Flaviae, liegt im äussersten Norden von Portugal, ungefähr 120 km östlich von Porto. Im Stadtzentrum, dicht bei der alten römischen Brücke über den Fluss Tamega, füllen 73° C heisse Quellen noch heute mehrere grosse Becken, die wahrscheinlich aus der Zeit der Severer (Anfang 3. Jh. n. Chr.) stammen. Der ausgeprochen gute Erhaltungszustand lässt den Quellaustritt, Zu- und Ableitungen, und Konstruktionsdetails einzelner Becken bestens erkennen. Der Ausgräber Sérgio Carneiro berichtete von seltenen Funden, so kamen z. B. hölzerne Schalen und ein Bronzeschränkchen für Würfelspiele zu Tage. Das Grabungsgelände wird in nächster Zukunft in ein grosses Museumsareal verwandelt werden; weiterhin wurde ein Netzwerk für die touristische Nutzung von Kurorten mit historischem Hintergrund eingerichtet.

 

Die Einladung zum Kongress war seitens des Veranstalters, Sérgio Carneiro, und von dem Stadtrat von Chaves ausgesprochen worden. DWhG-Mitglied Jens Köhler schlug in seinem Vortrag “The Golden Age of Spas: Roman Thermal Baths of the High Empire (2nd c. AD)” vor, mehr auf die architektonische und technische Entwicklung der Thermalbäder zu achten, und diese mit einem Wertewechsel in der römischen Gesellschaft in Verbindung zu bringen. An dem Kongress nahmen Archäologen aus Portugal, Spanien, Italien, Ungarn und aus der Türkei teil. Tagungssprachen waren portugiesisch, spanisch und englisch, wobei die angeregten Diskussionen unter den Teilnehmern oft ins italienische oder deutsche übergingen. Jeder Teilnehmer brachte Beispiele antiker Thermalbäder sowie Vorschläge zum methodischen Vorgehen ein. Genannt seien die Fallstudien zu Fortuna (Gonzalo Matilla Séiquer), Veio (Ugo Fusco), Budapest (Gabriella Fényes) und Allianoi (Ahmet Yaras), und hervorzuheben sind die methodologischen Ansätze von Silvia Gonzalez Soutelo, Carme Mirò i Alaix, und Maddalena Bassani.

Sérgio Carneiro (vorn) erläutert die Ausgrabungen des antiken Thermalbades im Zentrum von Chaves.

Eine Exkursion nach Galizien (Galicia), der nordwestlichen Region Spaniens, erlaubte unter der Führung der jeweiligen Ausgräber (Francisco Hervés Raigoso und Jose Maria Eguileta Franco) die Besichtigung der Thermalbäder in Lugo und von As Burgas. In Lugo (antiker Name Lucus Augusti, mit eindrucksvollen Stadtmauern) befinden sich die Ausgrabungen innerhalb einer modernen Kurklinik. As Burgas, in der Stadt Ourense, verfügt über ein erst kürzlich eröffnetes Dokumentationszentrum, das mit einem open-air Gelände der ausgegrabenen Becken und dem benachbarten öffentlichen Thermalbad sinnvoll kombiniert ist.

 

Das hervorragend organisierte Treffen wurde von einigen Kollegen, einem grossen Medienaufgebot (siehe die angegebenen links), und zahlreichen interessierten Bürgern von Chaves verfolgt. Die Gastfreundschaft war überwältigend; die Unterbringung in einem stilvollen Hotel in der alten Kloster-Festung Forte Sao Francisco sowie das portugiesische Essen (basierend auf ausgezeichnetem Fleisch und Fisch aus dem Atlantik) und Weine aus den Anbaugebieten Douro und Vila Real rundeten einen grossartigen Kongress ab.

Chaves, Ausgrabungsdetails:Verbindungskanal und Becken

Links mit weiteren Informationen und Photos:

 

Website zum Symposium

 

Facebook-Seite zum Symposium

 

Das Symposium auf Academia.edu

 

 

(Jens Köhler, Rom)

Tagungsbericht - Aachen 2014

25. DWhG-Fachtagung

11. – 13. September 2014 in Aachen

Tagungsbericht der 25. DWhG-Fachtagung in Aachen zum Download
DWhG_Fachtagung Aachen 2014_Tagungsberic[...]
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Die Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e.V. hat vom 11. bis 13. September 2014 ihre 25. Fachtagung unter dem Motto „Wasserhistorie von Kaiser Karl dem Großen bis heute“ in Zusammenarbeit mit dem UNESCO-Lehrstuhl für Hydrologischen Wandel und Wasserressourcen-Management, der Fachgemeinschaft Hydrologische Wissenschaften in der DWA Deutschen Vereinigung für Wasser und Abfall e.V. sowie dem Lehrstuhl und Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen veranstaltet. Anlass bot die große Ausstellungstriologie „Macht – Kunst – Schätze“ im 1200. Todesjahr von Kaiser Karl dem Großen in der Stadt seiner Lieblingspfalz.

Die Tagung wurde eröffnet mit einem Rundgang zu den wasserhistorischen Stätten der Kaiserstadt und einem ergänzenden Vortrag von Univ.-Prof. em. Dr.-Ing. Köngeter über „Wasserwirtschaftliche und wasserbauliche Besonderheiten in Aachen“.

Nach Begrüßung durch den DWhG-Vorsitzenden befasste sich am 12. September 2014 der  erste Vortragsblock unter Moderation von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Heribert Nacken mit der  „Persönlichkeit Karls des Großen, dem Stand von Wissenschaft und Technik in seiner Zeit“, dargestellt von Univ.-Prof. em. Dr. Dietrich Lohrmann, Aachen, „Karolingische Wassermühlen in den Rheinlanden nach archäologischen und schriftlichen Befunden“ von Dr. Ralf Kreiner, Aachen. Mit der „weiteren Entwicklung der Wasserräder zur Energiegewinnung“ beschäftigte sich Dipl.-Ing. Richard Brüdern. Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Universität Leipzig, stellte die neuesten Forschungsergebnisse zum wasserbaulichen Konzept der Fossa Carolina, der unter Karl dem Großen geschaffenen Kanalverbindung zwischen den Einzugsgebieten der Donau und des Rheins über den Main vor. Jürgen Weiner fasste die Ergebnisse seiner langjährigen „Ausgrabungen von jungsteinzeitlichen  Brunnen im Rheinischen Braunkohlenrevier“ zusammen.

Nach einer Besichtigung der kürzlich in Betrieb genommenen neuen  Versuchshalle des Institutes für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen folgte unter der Moderation seines Leiters, Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holger Schüttrumpf, am Nachmittag der zweite Vortragsblock. Dieser wurde eröffnet von Dipl.-Ing. Bernhard Kames, Linksrheinische Entwässerungs-Genossenschaft (LINEG), Kamp-Lintfort, mit einem umfassenden Rückblick auf die vielfältigen historischen Kanalprojekte zwischen Rhein und Maas mit ihren sichtbaren Zeugnissen, die alle über das Stadium der Planung nicht hinausgekommen oder unvollendet geblieben sind. Der Vortrag über das Wirken von Professor Otto Intze aus Aachen, dem Erbauer der frühen Talsperren in der Eifel, im Bergischen Land und an weiteren Orten in Europa musste infolge Erkrankung des Referenten leider ausfallen, wird aber voraussichtlich wie die übrigen Beiträge der Tagung in einer der nächsten Bände der Schriften der DWhG veröffentlicht. Anstelle dieses Vortrages berichtete Dr. Roy Frings vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen über „Sand und Kies in Bewegung – die Veränderung des Rheinbetts durch die Einwirkung des Menschen im Lauf der Geschichte“.

Unter Moderation von Dr.-Ing. Karlheinz Hintermeier, Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), Jena, berichtete im letzten Themenkreis der Tagung unter dem Generalthema „Ausbau und Modernisierung der Kleinwasserkräfte im Spannungsfeld von Europäischer Wasserrahmenrichtlinie und Erneuerbare Energiengesetz“ zunächst Ministerialrat Stefan Thums, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, München, über „Ausbau und Modernisierung der Kleinwasserkräfte – Effizienzsteigerung als Förderschwelle“. Ihm folgte als Übernahme vom ursprünglich vorgesehenen, unerwartet verstorbenen Geschäftsführer Ulrich Dumont der Vortrag von Dipl.-Ing. Malte Hoffmann, Ingenieurbüro Floecksmühle, über „Anforderungen an Kleinwasserkräfte aus ökologischer Sicht“. Über“ innovative Entwicklungen bei der Nutzung von Kleinwasserkräften“ sprach anstelle des erkrankten Referenten Ministerialrat Stefan Thums.

Prof. Dr.-Ing. Henning Fahlbusch, stellvertretender Vorsitzender der DWhG, fasste die Ergebnisse der Fachtagung zusammen und sprach den Referenten, Mitveranstaltern und Moderatoren der Fachtagung den Dank des Veranstalters aus.

Die Exkursion zum Abschluss der Tagung am 13. September 2014 führte an die Rureifel, zunächst zur Besichtigung des Jugenstilkraftwerkes Heimbach, das als denkmalgeschütztes Ensemble aus dem Jahr 1906 vom Betreiber RWE Innogy seit 1975 mit weiterentwickelten und leistungsfähigeren Wasserkraftggregaten ausgerüstet ist und dessen original erhaltenes Gebäude mit einigen historischen Anlagenteilen zugleich als Konzertstätte genutzt wird.  Den Abschluss der Exkursion bildete eine Führung durch die Staumauer der von Professor Intze  geplanten, inzwischen ertüchtigten Urfttalsperre des Wasserverbandes Eifel-Rur, der ursprünglich größten Talsperre Deutschlands.

Auch vor dem Erscheinen des Tagungsbandes in der DWhG-Schriftenreihe  stehen umfangreiche Informationen zu den erörterten Themen in der DWhG-Geschäftsstelle bzw. deren  Archiv zur Verfügung.

W. Such

Tagungsbericht - München 2014

DWhG-Nachwuchsseminar

"Wasser kennt keine Grenzen"

Veranstalter: Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e.V. (DWhG)

Veranstaltungsort: Deutsches Museum, Kerschensteiner Kolleg, München

Datum: 28.02.2014–02.03.2014

Bericht von: Christian Zschieschang, Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, Universität Leipzig; Stefanie Preißler, Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte, TU Bergakademie Freiberg

Dass das Thema Wasser weder zeitlich, räumlich oder fachlich über Grenzen verfügt, bewiesen die TeilnehmerInnen des 4. Nachwuchsseminars der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft (DWhG). Seit längerer Zeit hat sich innerhalb des Vereins ein multidisziplinäres Netzwerk von jungen WissenschaftlerInnen etabliert, das weitere Interessierte und potentielle Mitglieder ansprechen und zusammenbringen will. Diesem Ziel dienen die Nachwuchsseminare, die regelmäßig an wechselnden Orten angeboten werden, wobei im vorliegenden Fall die Wahl auf München gefallen war. Bedingt durch den Charakter der Veranstaltung handelte es sich in den meisten Fällen um die Vorstellung von Dissertationsvorhaben oder abgeschlossenen Diplomarbeiten. Entgegen der gelegentlichen Ankündigung, erst am Anfang der Forschungen zu stehen, konnten die Referenten durchweg mit inhaltsschweren und anregenden Beiträgen aufwarten, die im Anschluss intensiv diskutiert wurden. Der Schwerpunkt lag dabei mit zwei Ausnahmen auf Themen, die das 19. und 20. Jahrhundert betrafen.

 

Einen ausführlichen Bericht zur Tagung können können Sie sich hier herunterladen:

Tagungsbericht | DWhG Nachwuchsseminar | München 2014
DWhG_Nachwuchsseminar 2014_München_Tagun[...]
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Tagungsbericht - Chorin 2014

Zum Jubiläum „100 Jahre Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin und 80 Jahre Schiffshebewerk Niederfinow“

Tagungsbericht von Lothar Tölle

Fotos von Hans-Georg Spanknebel 

Siehe auch die Bildergalerie Chorin 2014

Zu diesem Thema veranstaltete die Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e.V. (DWhG) ihre 24. Fachtagung vom 12. bis 14.06.2014 im Hotel Haus Chorin in der malerischen Umgebung des benachbarten ehemaligen Zisterzienser-Klosters Chorin.

 

Die zentrale Vortragsveranstaltung wurde nicht nur von DWhG-Mitgliedern gestaltet, sondern von etlichen Teilnehmern aus der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, denen hier ein besonderer Dank gebührt.

Blick vom Unterwasser auf zwei Giganten der Technik (links Hebewerk Niederfinow von 1934, rechts Neubau im Juni 2014).

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der DWhG, Direktor a.D.Wolfram Such, sprach der Leiter der Außenstelle Ost der im letzten Jahr neu gegründeten Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, LBDir Burkhard Knuth, ein Grußwort, bei dem er auch auf die anstehende Umstrukturierung der WSV einging. Anschließend begrüßte der Leiter des WSA Eberswalde, LBDir Hans-Jürgen Heymann, die Versammlung, und stellte ausführlich seinen sehr großen Amtsbereich und dessen vielfältige Aufgaben vor. Gleichzeitig konnte er die frisch gedruckte Festschrift zum Jubiläum für alle Teilnehmer zur Verfügung stellen. Etwa 70 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen die Gelegenheit wahr, nicht nur die Geschichte der markanten gotischen Klosterbauten in Chorin und der damit verbundenen mittelalterlichen klösterlichen Wasser- und Mühlenwirtschaft vor Ort und im Vortrag näher kennen zu lernen. Speziell zu diesem Thema steuerte Prof. Dr. Winfried Schich aus Berlin seinen interessanten Vortrag bei.

 

In den folgenden Fachvorträgen wurde die Entwicklung der Wasserstraßenverbindung zwischen Havel und Oder vom 16.Jahrhundert bis heute beleuchtet, angefangen mit dem Bau des ersten Finowkanals vor dem 30-jährigen Krieg als auch später des zweiten Finowkanals unter Friedrich dem Großen von 1743 bis 1746, nicht zu vergessen auch die ebenfalls von ihm vorangetriebene Regulierung der Oder mit der bekannten teilweisen Umgestaltung des Oderbruches. Schwerpunkt der Veranstaltung waren natürlich die weitsichtigen Wasserstraßen-Planungen im damaligen Preußen des Deutschen Reiches zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert und die Schritte zu ihrer Verwirklichung. Dipl.-Ing. Hans-Joachim Uhlemann hatte sich dieses umfassenden Themas angenommen.

 

Die überregionale Bedeutung dieser Planungen wirkt bis heute nach und spiegelt sich inzwischen auch in einer nachhaltigen Modernisierung der heute als „Havel-Oder-Wasserstraße“ bezeichneten Schifffahrtsverbindung wider. Dabei spielen nach wie vor die wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in diesem Gebiet eine sehr große Rolle, angefangen von der Wasserversorgung der Scheitelhaltung zwischen der Schleuse Lehnitz und dem Abstieg bei Niederfinow aus der Oberen Havel. Zu berücksichtigen sind dabei ebenso die Entwässerung des Oderbruches und seine Steuerung über die Schleusen- und Wehrgruppe bei Hohensaaten zur Ost-Oder und zur Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße bis zur West-Oder. Der von Frau Dipl. Hydr. Cornelia Lauschke vom WSA Eberswalde dazu vorbereitete sehr informative Vortrag wurde in ihrem Namen ebenfalls von Hans-Joachim Uhlemann präsentiert. Passend dazu gab Prof. Dr-Ing. Joachim Quast, Müncheberg, einen Überblick über die Verbesserung der Vorflut an der unteren Oder im frühen 20.Jhdt. und den großräumigen Zusammenhang.

 

Die Regelungsmaßnahmen als auch die mitunter sehr kritischen Hochwasser- und Eisverhältnisse auf der Oder selbst aufgrund des schwachen Gefälles bis zur Mündung bei Stettin wurden ausführlich betrachtet, zumal sich aufgrund der mehrfachen Flussteilung und auch der Grenzverhältnisse nach dem zweiten Weltkrieg bis 1990 ein Teil des Ufergebietes und der dazwischenliegenden Inselbereiche relativ ungestört zum heutigen „Naturpark Unteres Odertal“ entwickeln konnte.

Blick zum halbfertigen Neuen Hebewerk und zum Unterwasser im Juni 2014

Für viele Teilnehmer eindrucksvoll im Folgenden dargestellt wurde die damalige Errichtung der besonders markanten Einzelbauwerke zwischen Oranienburg und Hohensaaten, wie z.B. der Schleuse Lehnitz, der Kanalbrücke über die Eisenbahn bei Eberswalde, des rd. 30 m hohen Kanaldammes über dem Ragöse-Durchlass und der 4-stufigen Schleusentreppe bei Niederfinow, bei denen man teilweise technisches Neuland beschritt. Diesen Part hatte Dipl.-Ing. Alfred Sommerfeld vom WSA Eberswalde übernommen und erwies sich dabei als gründlicher Kenner der beschriebenen Bauwerke.

 

Die weitere Entwicklung dieser Wasserstraße nach 1914 war ein breit gefächertes Thema, bei dem sowohl die Erneuerung von Einzelbauwerken und der weitere Kanalausbau bis heute als auch die Entwicklung der Schifffahrt selbst beleuchtet wurden. Dipl.-Ing. Christoph Bonny vom WNA Berlin gab dazu einen sehr informativen Überblick.

 

Und schließlich als besondere Höhepunkte gab es zunächst einen Einblick in die Geschichte der Schiffshebewerke bis zur Errichtung des ersten Schiffshebewerkes in Niederfinow von 1927 bis 1934, welches damals mit 36 m Hubhöhe als höchstes Senkrecht-Hebewerk der Welt mit seinem beispielhaften Sicherungssystem für lange Zeit neue Maßstäbe gesetzt hat. Dr. Eckhard Schinkel vom LWL-Industriemuseum Dortmund erwies sich auch hier wieder als profunder Kenner der internationalen Hebewerks-Geschichte und konnte seine Begeisterung für diese besonderen Bauwerke sofort auf seine Zuhörer übertragen.

 

Darauf folgte im abschließenden Vortrag die ausführliche Vorstellung der Planung und des 2008 begonnenen Baues des Neuen Schiffshebewerkes Niederfinow, dessen Fertigstellung für 2016/2017 erwartet wird, zweifellos ein weiteres technisches Highlight der Industriekultur unserer Zeit. Für diese ebenfalls sehr beeindruckende Darstellung konnte Dipl.-Ing. Peter Huth, Projektleiter des WNA Berlin für das neue Hebewerk, gewonnen werden.

 

Eine Bus-Exkursion am nächsten Tag in den Bereich Niederfinow und Hohensaaten gestattete, das in den Vorträgen Gehörte dann direkt vor Ort zum Teil live zu erleben. Es war ein passender Abschluss, der zudem noch im anschließend besuchten Schifffahrtsmuseum in Oderberg bei einem leckeren Kaffeegedeck auf dem an Land liegenden Museums-Raddampfer „Riesa“ besonders gewürdigt werden konnte.

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Talsperrenstraße 300

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