Deutsche Wasserhistorische Gesellschaft e.V.
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Wissensübermittlung von der Antike ins Mittelalter: Wasser

“... parecían a aquellos monumentos de los reyes de la antigúedad...”

(al-Maqqari, Analectes I, 371)

Rückblick auf die 14. Internationale Konferenz zur Geschichte des Wassermanagements und das Wasserbaus im Mediterranen Raum “CVRA AQVARVM IN TOLETVM“, in Toledo und Córdoba, vom 23. - 30. September

Text und Bilder: Dr. Gerd Hoffmann

Bild 1: Toledo - Stätte des Welterbes. Altstadt mit dem Alcázar über dem Tal des Tajo

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) Madrid veranstaltete vom 23. bis zum 26. September 2009 in Toledo zusammen mit der Diputación Provincial de Toledo sowie der Real Fundación de Toledo ihr III. Internationales Symposium zur “Wissensübermittlung von der Antike ins Mittelalter am Beispiel des Wassers”.

 

Die DWhG war mit ihrer 14. Internationalen Konferenz zur Geschichte des Wassermanagements und das Wasserbaus im Mediterranen Raum "Cura Aquarum in Toletum" in das Symposium eingebunden. Kongresssprachen waren Spanisch und Deutsch (mit jeweiliger Simultanübersetzung).

 

Die Tagung begann am Abend des 23. September mit einem Empfang im Garten der Real Fundacion, in deren Räumen an den beiden folgenden Tagen die Vorträge der Tagung stattfanden. In den Tagungspausen konnten sich die Teilnehmer im Garten beim Blick über das tief eingeschnittene Tal des Tajo entspannen (Bilder 2 und 3).

Bild 2: Konferenzpause im Garten der Real Fundación

In der Eröffnungssitzung wies Prof. Dr. Thomas Schattner, Madrid, auf die Bedeutung der im 12. Jahr. in Toledo gegründeten Übersetzerschule hin. Sie wirkte an der Nahtstelle zwischen dem kastilischen Königreich und dem arabischen Kalifenreich im Süden, wo die antike Technik, wie z. B. die Wasserversorgungstechnik, weiter genutzt und tradiert wurde. Toledo gewann, wie Prof. Dr. Fernando Valdés Fernández, Madrid, in seinem Korreferat betonte, seine Bedeutung als Mittler zwischen dem Islam und dem westlichen Abendland durch das Nebeneinander der arabischen, hebräischen, lateinischen und kastilischen Sprache. Abschließend zeigte Prof. Dr. Julio Mangas, Madrid, am Beispiel der Geschichte Toledos auf, wie das Wissen der Antike bis ins Mittelalter übermittelt wurde. Hierbei hat die toledische Übersetzerschule einen großen Beitrag geleistet.

Bild 3: Blick vom Garten der Real Fundación auf die Brücke San Martin

Im ersten Vortragsblock “Orient” widmete sich Dr. Burkhardt Vogt, Bonn, “dem großen Damm von Marib, Jemen, im Bewusstsein und Gedächtnis der Südaraber.” Mit den Dammbauten konnte das Wasser der Monsunregen kurzzeitig gespeichert, angehoben und zur Feldbewässerung genutzt werden. Patrick Keilholz, München, berichtete über “die Entwicklung eines Wasserversorgungssystems von der hellenistischen bis zum Ende der byzantinischen Zeit am Beispiel der antiken Stadt Gadara.” In einer ersten frühen Phase versorgten sich die Bewohner aus über 100 Zisternen mit dem benötigten Wasser. Später, insbesondere in der römischen Zeit, leitete man Quellwasser von außerhalb durch Rohrleitungen in Tunnelbauten in die Stadt. Abschließend stellte Dr. Tsvika Tsuk, Tel Aviv, “die Entwicklung römischer Wasserversorgungssysteme bis zum Mittelalter am Beispiel der Römischen Provinz Palästina” vor. Im Einzelnen berichtete er über die Freispiegelleitung und den Aquädukt von Akko sowie über die Aquädukte von Caesarea Maritima und Jerusalem.

 

Im zweiten Vortragsblock “Rom und Italien” stand zunächst die “Wasserkultur der Villa Hadriana” im Vordergrund. Dr. Christoph Ohlig, Wesel, berichtete über Ergebnisse mehrerer Kampagnen in den Jahren 2003 bis 2006, die in Band 8 der Schriften der DWhG veröffentlicht worden sind. Dr. Ohlig erläuterte einerseits die Herkunft des Wassers und stellte andererseits als herausragendes Bauwerk das Serapeum vor. Im zweiten Beitrag “Römische Elemente der Hydrotechnik – Grundlage der Wasserversorgung der Neuzeit” schlug Prof. Dr. Henning Fahlbusch einen Bogen von den griechischen Stadtstaaten bis zu ausgefeilten technischen Anlagen der Wasserversorgung römischer Städte.

Bild 4: Bummel durch die Altstadt
Bild 5: Haus und Museum von El Greco

Nach einer ausgedehnten Mittagspause, die von den Teilnehmern auch zu einem ersten Bummel durch die Altstadt (Bilder 4 bis 7) genutzt wurde, war der dritte Vortragsblock der iberischen Halbinsel vorbehalten. Fernando Aranda, Mérida, betrachtete zunächst die “Städtische Wasserwirtschaft in römischer Zeit” an den Beispielen von Mérida und Toledo. Ausführlich ging er auf die hydraulischen Randbedingungen ein. Anschliessend dokumentierte Dr. Almudena Orejas, Madrid, den öffentlichen Charakter der “Ländlichen Wasserwirtschaft in römischer Zeit” an Hand von Verordnungen und Gesetzen. Ein weiterer Schwerpunkt war die Nutzung des Wassers im Bergbau, wie in den Goldminen von Las Médulas in der spanischen Provinz Léon. Im dritten Beitrag belegten Dr. Juan Murillo und Dr. Alberto León, Córdoba, die “Kontinuität in der Wasserwirtschaft Córdobas von römischer bis in islamische Zeit” an zahlreichen Beispielen hydraulischer Anlagen, wie z.B. Quanaten, Schöpfrädern oder Zisternen. Dr.-Ing. Felix Arnold, Madrid, stellte in seinem Vortrag “Architektur und Wasser - Zu ihrem Bedeutungswandel in den Landsitzen römischer und islamischer Zeit im Umland von Córdoba” die ländliche Kalifen-Residenz Al-Rumaniya bei Córdoba (Bild 23) mit ihren wasserwirtschaftlichen Anlagen vor. Diese dienten nicht nur der Repräsentation, sondern verbesserten zugleich das Wohnklima, wie Kai Wellbrock, Lübeck, im letzten Beitrag des Tages “Wasserspiele und Zierbrunnen – die Beeinflussung des Mikroklimas durch hydrotechnische Elemente nicht nur in römischer Zeit” aufzeigte.

Bild 6: Alter Innenhof in der Altstadt
Bild 7: Leben in der Altstadt: Straßenmusikerin

Die Vorträge des folgenden Tages standen ganz unter dem Motto “Schriftquellen”. Zunächst stimmten Prof. Dr. Miguel Arenillas und Dňa. Marisa Barahona, Toledo, mit ihrem Vortrag ”Wasserwirtschaft in Toledo” auf die Exkursion des Folgetages zu der römischen Talsperre von La Alcantarilla ein (Bilder 8 und 9). Sie berichteten u.a. über neuere Untersuchungen zum Verlauf des Aquäduktes. In islamischer Zeit wurde auf den Überresten eines römischen castellum aquae eine Moschee mit Brunnen (sabil) erbaut. Diese beschrieb Prof. Dr. Fernando Valdés, Madrid, in seinem Beitrag ”Die sog. Mezquita de las Tornerías, ein Beispiel für eine fromme Stiftung (habus) im islamischen Toledo” vor. Da der dritte Referent, Dr. Patrice Cressier aus Lyon, erkrankt war, wurde nur eine Kurzfassung seines Vortrages ”Wasserwirtschaft in Al-Andalus und im Magrab Al-Aqsŕ: eine neue Form des Raumverständnisses ?” verlesen.

 

Im zweiten Vormittagsblock stellte Prof. Dr. Helmuth Schneider, Kassel, “Die spanischen Provinzen bei Diodor und Strabon” vor. Während Strabon als Geograph eine Landeskunde verfasste, schrieb der ältere Diodor ein auf älteren Quellen beruhendes Geschichtswerk, in dem er auch die soziale Lage der Sklaven in den Bergwerken kritisiert, für die antike Literatur sehr ungewöhnlich. Da keine literarischen Quellen vorhanden sind, gab Prof. Dr. Werner Eck, Bergisch-Gladbach, anhand von Inschriften Antwort auf die Frage “Wasserbauten in den spanischen Provinzen Roms: staatliche oder städtische Verantwortung für die Infrastruktur?”.

 

Am Nachmittag betrachtete Prof. Dr. Thomas Schattner, Madrid, die Rolle “Isidor von Sevilla als Wissensvermittler”. In seiner Enzyklopädie “Etymologiae” fasste er das Wissen seiner Zeit zusammen. In ihrem Beitrag “Alte Weisheit in Gottes Hand. Klösterliche Wissensgemeinden im Umgang mit antiken Kenntnissen” behandelte Dr. Barbara Sasse-Kunst, Freiburg, die Diskrepanz zwischen antikem Wissen und den Aussagen der Bibel, der als Gottes Wort erste Priorität zukam. Als letzter Vortragender des Tages und des Symposiums widmete sich Dr. Antonio Becchi, Berlin, dem Thema “Bauen mit Wasser, bauen fürs Wasser: Der Fall Vitruv”. In seiner Architekturgeschichte habe Vitruv das Wasser als wichtiges Element im Schnittpunkt von Wissenschaft, sozialen und staatlichen Leben, Umwelt und Kultur behandelt.

 

Im Schlusswort betonte Prof. Dr. Fernando Valdés, das Symposium sollte zur wissenschaftlichen Deutung der archäologischen Funde und Ausgrabungen beitragen und deren Bedeutung aufzeigen. Damit helfe das Symposium, die archäologischen Funde der Nachwelt zu erhalten und zu überliefern.

Bild 8: Ankunft in Alcantarilla
Bild 9: Vor der Talsperre von Alcantarilla

Am Samstag führte eine Exkursion die Teilnehmer zur römischen Talsperre von Alcantarilla südlich von Toledo in der Nähe der kleinen Ortschaft Mazarambroz in der Region “Montes de Toledo”. Die Talsperre befindet sich auf privatem Gelände einer Hazienda mit Rinder- und Pferdezucht. Die Talsperre wurde im 1. Jahr. n. Chr. erbaut. Ein 750 m langer Damm aus Mauern und Erdwall staute das Wasser aus den nahen Bergen in einer natürlichen Mulde auf. Schon wenige Jahrzehnte nach dem Bau brach der Damm zusammen (Bilder 8 und 9).

 

Die von der Talsperre von Alcantarilla ausgehende römische Wasserleitung musste in Toledo mittels einer Druckstrecke durch das Tajo-Tal geführt werden. Die Überreste des früheren Aquädukts (Bild 10) sind in der Nähe der Alcantara-Brücke zu sehen. Die Exkursion endete nach einer Fahrt auf dem gegenüber der Altstadt gelegenen Talhang an der Brücke von San Martín. Mit einer ausgedehnten Besichtigung der Altstadt mit ihren engen Gassen (Bild 4), reizvollen Innenhöfen (Bild 6) und der Kathedrale (Bild 12) endete für die Teilnehmer das viertägige Symposium in Toledo.

Bild 10: Reste des römischen Aquädukts
Bild 11: Zisterne in der Altstadt
Bild 12: Haupteingang der Kathedrale

Am Sonntag, den 27. September, schloss sich für die DWhG-Teilnehmer eine Exkursion nach Córdoba und Umgebung an. Erster Besichtigungsort war die Gemeinde Morturque, etwa 60 km südlich von Córdoba. Hier konnten die Teilnehmer eine große römische Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 850 m³ (Bild 13) und Ausgrabungen einiger römischer Speicher besichtigen. Nach der Ankunft in Córdoba und dem Bezug des Hotels, direkt neben der großen “Mezquita”, der Moscheekathedrale, zeigte uns Frau Isabel Martinez Richter (Bild 14), die uns auch in den kommenden Tagen begleitete, dieses bedeutendste Bauwerk der Stadt. Die Moschee wurde mehrfach zum größten Moscheegebäude auf europäischem Boden erweitert. Mitte des 16. Jh. bauten die katholische Kirche eine gotische Kathedrale in die Moschee hinein, worauf der heutige Name ”Moscheekathedrale” hinweist. Die Mezquita ist ein Höhepunkt islamischer Baukunst in Spanien (Bild 15). Daher wurde sie auch zusammen mit der Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Bild 13: Römische Zisterne von Montorque
Bild 14: Frau Isabel Martinez Richter, unsere Führerin in Córdoba und Umgebung
Bild 15: Innenraum der Moschee - Die Säulen und Überlagerung der beiden Bögen erinnern an den Aquädukt von Los Milagros in Mérida
Bild 16: Aufbruch am Morgen - Gang über die alte römische Brücke zum Bus, im Hintergrund die Moscheekathedrale

Der Montag stand ganz unter dem Thema”gravierenden Änderungen der Bewässerungssysteme im Tal des Guadalquivir”. Zunächst führten die Vertreter der Confederacion Hidrografica del Guadalquivir am Staudamm von San Rafael de Navallana östlich von Córdoba die Exkursionsteilnehmer in die Geschichte und Problematik der Bewässerung sowie die Entwicklung der modernen Bewässerungstechnik (Stichwort: Tropfenbewässerung) ein (Bild 17).  Anschließend wurde dieses Projekt und das westlich von Córdoba gelegene Projekt von Genil-Cabra  an ausgewählten Punkten näher vorgestellt sowie Staubecken, Kanäle, Pumpwerke etc. besichtigt. Längs der Bewässerungskanäle (Bild 18) erstreckten sich fruchtbare Getreide-, Baumwoll- und Sonnenblumenfelder sowie Olivenplantagen, im Hintergrund die Berge der Sierra Morena.

Bild 17: Im Betriebsgebäude der Confederacion Hidrografica del Guadalquivir, Staudamm von San Rafael de Navallana
Bild 18: Moderner Bewässerungskanal von Genil-Cabra

Am vorletzten Tag stand Italica, die Geburtsstadt der Kaiser Trajan 1) und Hadrian, im Zentrum des Exkursionsprogramms. Nordwestlich von Sevilla gelegen gilt sie als bedeutendste Ausgrabungsstätte einer römischen Stadt in Spanien. Besondere Anziehungspunkte auf dem riesigen Gelände (Bild 19) waren die Mosaiken im Haus des Neptuns bzw. im Haus der Vögel (Bild 20). Nach dem Amphitheater  und den Großen Thermen besichtigten die Teilnehmer abschließend die große 3-Kam- mer-Zisterne außerhalb der antiken Stadt, die mit ihren Abmessungen alle beeindruckten. Auf der Rückfahrt nach Córdoba wurde in Carmona ein Zwischenstopp eingelegt, um die dortige römische Nekropole zu besuchen (Bild 22).

Bild 19: Wegweisung in Italica
Bild 20: Italica - Mosaik im Haus der Vögel
Bild 21: Mittagspause unterwegs
Bild 22: Nekropole von Carmona - Grab von Sevilla

Mit dem Besuch der Villa Rumaniya und des Kalifensitzes Medinet As Zahra westlich von Córdoba endeten am Mittwoch die Exkursionen und Besichtigungen. Auf dem Weg dorthin war eine alte Brücke auf der “Prozessionsstraße” zu überqueren. Der Kalifensitz, eine ganze Palaststadt, liegt oberhalb des Guadalquivir am Berghang mit weitem Blick über das Tal. Die Wasserversorgung aber auch die maurische Architektur (Bild 22) der ausgedehnten Palaststadt fand breites Interesse.

Bild 23: Prof. Fahlbusch auf der Suche nach dem richtigen Weg
Bild 24: Im Kalifenpalast Medinet As Zahra

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